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Bernhard Schwaiger Sun

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Swiss Irontrail

2016-08-06

Zweites Highlight heuer bei mir ist der Swiss Irontrail in Davos. Satte 200km und 12000Hm gilt es dabei zu bewältigen. Als kleinen Test hatte ich eine Woche zuvor aber noch etwas anderes zu erledigen.Ich wollte meinen Hausberg, das Selbhorn von Maria Alm aus über die Klettersteigroute in unter zwei Stunden schaffen. Am Samstag sollte das Wetter gut sein, da ich aber bis zu mittag mit Arbeit eingedeckt war, konnte ich erst am Nachmittag so gegen 14 Uhr starten. Die Temperaturen lagen da jenseits der 30 Grad. Also nicht gerade perfekt, trotzdem wagte ich einen Versuch mit einem Liter Flüssigkeit im Gebäck. Los geht es leicht ansteigend ca. 3km bis nach Rohrmoos. Von dort an beginnt der eigentliche 1800hm lange Anstieg. Zuerst zur Lechneralm und weiter auf den Bragstein, wo das Gelände immer steiler wird. Die Sonne brannte vom Himmel, aber ich lag gut in der Zeit. Danach eine kleine Flachpassage bis es bis zum Einstieg des Klettersteiges noch mal steil wird. Den Abschluß bilden 400Hm Klettersteig in senkrechtem Gelände. Hier heißt es aufpassen und noch mal volle Konzentration. Nach 1:57 stand ich dann am Gipfel des Selbhorns. Geschafft, bei nicht ganz rekordverdächtigen Temperaturen.

Am Donnerstag dann die Anreise nach Davos Wieder bei heißem Traumwetter. Leider war für den Renntag eine Kaltfront angesagt. Aber so schlim wird es wohl nicht werden dachte ich mir, drotzdem mal genug Wechselkleidung mitnehmen. Außerdem war es ein Test auf einer so langen Distanz. Pünklich am Donnerstag abend begann es dann zu regnen, bzw. zu schütten. Beim Start um 4 Uhr morgens dann strömender Regen und 5 Grad Aussentemperatur. Die ersten 40 Km waren kein Problem, das Tempo war gut und das Wetter war zum aushalten. Ich befand mich zwischen Platz 4 und 6. Die nächten Kilometer gingen über höhere Berge wo der Wind durch die Knochen fegte, und die Kälte einiges an Substanz kostete. Dennoch kamen wir bis Kilometerm 60 gut voran. Komplett durchnässt hieß es jetzt erst mal die kompletten Sachen wechseln, und eine warme Mahlzeit zu essen. Also komplett umziehen, einen Teller Nudeln verdrücken und weiter ging es. Leider wurde das Wetter nicht besser, es regnete immer noch sehr stark, und auf den Bergen pfiff ein eisiger Wind. Trotzdem lief es noch recht gut, meine Muskulatur fühlte sich gut an, dazu kam aber dann noch oberhalb von 2300m Schneefall, was das Ganze noch mal verschärfte. Nach gut 16 Stunden hatte ich dann die Hälfte geschafft. Jetzt machte sich die Müdigkeit schon etwas bemerkbar, außerdem war ich ziemlich ausgekühlt. Da entschloss ich mich zu einer längeren Pause und mich ein wenig hin zu legen um wieder zu Kräften zu kommen. Außerdem sollte es danach in die Nacht gehen. Nach einer 30 Minütigen Pause und warmer Kleidung dann weiter auf den nächsten Berg. Leider war mir noch immer sehr kalt. Jetzt sollte es schwer werden. Der Schneefall wurde mehr, jetzt lagen gut 10 cm Neuschnee am Boden, noch dazu war es stock dunkel und der Wind fegte sodaß man Mühe hatte sich auf den Beinen zu halten. Den Weg fand ich teilweise nur anhand meines GPS Tracks auf der Uhr. Noch dazu war ich nass bis auf die Knochen und die Kälte machte mir immer mehr zu schaffen. Ziemlich erschöpft und total unterkühlt kam ich dann an 4er Stelle in Bivio bei Km 114 an. Dort war Krisensitzung angesagt. So hatte es keinen Sinn weiter zu machen, denn es kamen auch noch starke Leistenprobleme dazu. Die einzige Möglichkeit die wir sahen war, das ich mich einpackte und eine Stunde Pause machte um meine Körpertemperatur wieder auf ein normales Level zu bringen. Leider stellte sich aber so schnell keine Besserung ein, zu Müde war bereits mein Körper, sodas meine Vernunft sagte, besser ist es auf zu hören als in ein Desaster zu rennen. So war das Abenteuer Swiss Irontrail T201 für mich zu ende. Aber es war wieder ein Lernprozess, und ich wurde einer neuen Grenzerfahrung reicher. Bei der Heimreise am nächsten Tag dann Sonnenschein und moderate Temperaturen.

Hermann

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