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Bernhard Schwaiger Sun

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Hochkönigman

2015-06-07

Das erste Rennen im heurigen Jahr war auch zugleich mein Heimrennen. Dementsprechend hatte ich mir für dieses Rennen gute Chancen ausgerechnet, kenne ich die Strecke doch fast blind.

Leider muß man aber auch erwähnen das ich im Winter nicht die normalen Umfänge trainieren habe können, da ich ja meine Meisterausbildung fertig gemacht habe. Dazu kam dann noch vor 4 Wochen eine hartnäckige Verkühlung die sich auf meine Stirnhöhlen ausbreitete. Daran laborierte ich noch bis vor einer Woche. Und da ich noch in der Organisation vom Hochkönigman mit dabei war, waren die Wochen zuvor auch ein wenig streßig. Von Beine hoch lagern war da keine Rede.

Dennoch war ich voll motiviert und wollte bei mir zu hause zeigen was ich drauf habe. Bei sommerlichen 30 Grad viel um 1 Uhr morgens der Startschuß zum ersten Hochkönigman. Gut 120 Teilnehmer machten sich auf die 87,7 Kilometer lange Strecke mit gut 5800 Höhenmetern. Von Beginn an lief ich mein ruhiges Tempo, und konnte mich zu meiner Verwunderung an die Spitze setzen. Ein Deutscher und ich liefen dann weiter an der Spitze und spulten dabei ruhig unsere Kilometer ab. Wir harmonierten super, wechselten uns ständig mit der Führung ab was das laufen im Dunklen erheblich erleichterte. Um so verwunderlicher war es dann für mich das aus heiterem Himmel ab Kilometer 25 die ersten Krämpfe bei mir auftauchten. So etwas hatte ich noch überhaupt nie erlebt, so früh schon in Problemen zu geraten obwohl das Tempo sehr niedrig war. Also schaltete ich meinen Notfallplan ein um die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Leider wirkte dieser diesmal nicht so richtig und mein körperlicher Zustand wurde immer schlimmer. Jeder Schritt schmerzte, immer wieder verkrampfte ein andere Muskel in meinen Beinen. Drotzdem liefen wir noch gemeinsam bis Kilometer 45 an der Spitze. Dort konnte ich mich sogar noch ein wenig absetzen, obwohl ich schon nicht mehr wusste wie ich einen Schritt vor den nächsten machen sollte. Erst bei Kilometer 50, kurz vorm Gipfel des Schneeberges musste ich mich vom späteren Sieger einholen lassen. Bis dort hin konnte ich trotz meiner Probleme meine Führung behaupten. Kurze Zeit später stand ich aber entgültig. Meine Krämpfe wurden so schlimm, das ich meine Beine nicht mehr abbiegen konnte. Ich versuchte irgendwie noch einen Schritt vor den nächsten zu machen. Jeder Schritt war eine Qual. Bei Kilometer 65 war dann mein Kopf gebrochen. Ich wollte und konnte nicht mehr. Nach 40 Kilometern mit Krämpfen in den Beinen machte das so keinen Sinn mehr. Ich entschied aus dem Rennen auszusteigen obwohl ich noch auf Platz vier lag.

Für viel mag das verwunderlich klingen, das ich bei einem Heimrennen aussteige, und nicht nach einer Stunde Pause versuche weiter zu machen. Aber ich bin Wettkämpfer und verfolge ein gewisses Ziel. Und mein Ziel ist nicht einfach die Strecke in der Karenzzeit zu schaffen, sonst könnte ich auch nur so zum Spaß 85 Kilometer laufen gehen mit etlichen Pausen dazwischen. Dann brauche ich aber nicht an einem Wettkampf teilnehmen. Das kann ich immer und überall machen. Zu mindestens gilt das bei einem Heimrennen wo ich die Strecke sehr gut kenne. Wo anders sieht das natürlich anders aus. Im nachhinein schmerzt es schon nicht über die Ziellinie gelaufen zu sein, aber es war am Samstag meine Entscheidung und die ist auch nicht mehr rückgängig zu machen.

Jetzt heißt es das Ganze zu analysieren,denn beim Trail Lago de Orta ist es mir ähnlich ergangen und ich glaubte das Ganze im Griff zu haben,

Hermann

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