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Hermann Schwaiger Sun

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"SNAKEBITE"

2018-03-03

© Bernhard Schwaiger, Christina Dalla-Bona

Bereits seit einigen Jahren habe ich ein Auge auf dieses fast waagrechte Dach geworfen - immer wieder habe ich optisch begutachtet, ob es irgendwie gehen könnte, weils so steil und kleingriffig ist und "extrem geil" wäre! ;-)

Die Lage des Boulders ist aber "speziell" und es gibt nur wenige Tage im Jahr, an dem die Linie brauchbare Bedingungen hat. Wie wahrscheinlich es (für mich persönlich) ist, zunächst die wenigen ausschließlich im Winter liegenden Tage ausfindig zu machen, dann Zeit zu haben und schließlich die eigenen Fähigkeiten auf den Punkt zu bringen, schenke ich mir ... ;-)!

Es dauert leider Jahre, bis ich zum ersten mal in diesem Winter die Chance nützen kann, mich bei guten Verhältnissen an den Zügen zu probieren. Allein die Tatsache, dass ich endlich Hand an die Griffe legen kann bzw. darf, ist "cool". 
Das Ergebnis ist aber erstmal ernüchternd. Ich bekomme die Züge nur ansatzweise auf die Reihe - wie anzunehmen war, alle super pressig und fußtechnisch (noch) etwas undurchschaubar bzw. stark verbesserungswürdig ...

Die Bedingungen und Umstände gewähren mir wenige Tage später noch eine Chance, bei der die Sache schon "nicht so schlecht" aussieht, weil ich die ersten drei Moves hinkriege und sogar verbinden kann. Aber der vierte Zug ist der Wahnsinn, weil es zwar möglich erscheint, aber alles perfekt zusammen passen muss und somit doch (noch!?) nicht kontrollierbar bzw. machbar ist.
Wenige Tage später ist das (einzige!?) kurze Zeitfenster mit "guten Conditions" in diesem Winter bereits wieder Geschichte.

Es sollte zwei Monate dauern, bis die Temperaturen überraschenderweise noch mal arktisch werden und eine weitere Chance eröffnen, der Sache doch noch etwas näher zu kommen.
Unzählige Male klettere ich die ersten drei Moves - fast wie im Schlaf - nur um immer wieder knapp am vierten Move zu scheitern. Ich versuche die verschiedensten Varianten, um den Zug evtl. doch noch etwas besser kontrollieren zu können - ihm auf die (entscheidende) Schliche zu kommen - ohne Erfolg - der Zug wirft mich immer wieder ab.
Langsam aber sicher bin ich am Ende mit meinem Latein - die Frage der Machbarkeit drängt sich auf und auch die Haut an den Fingerkuppen ist auch schon ordentlich rampuniert ... ;-(

Die Zeit drängt, denn die nächsten Tage werden wieder wärmer und die Bedingungen sind dann wieder für mindestens 9 Monate futsch. Ich muss in jedem Fall noch einmal alles versuchen und tüftle noch an Kleinigkeiten und den kniffligen Heelhooks herum, bis mir endlich das (im Nachhinein betrachtete) entscheidende "Lichterl" aufgeht. 
Den nächsten Versuch vermassle ich nur knapp, weil ich nach dem erstmals im Durchstiegsversuch geschafften Crux-Move nicht genug Spannung in dem fast waagrechten Dach halten kann und mit einem Fuß an der Matte streife. 

Der bereits aufkommenden Zweifel bzgl. Realisierbarkeit zum Trotz, ein extrem wichtiger Schritt, der mich "super-happy" macht. Die Gewissheit, dass es doch geht, ist da! "Cool ...!"

Die Temperaturen steigen bereits merklich und bevor es "zu warm" wird, mache ich nach einer kurzen Erholungsphase einen relativ unbekümmerten Versuch, der mich wahrlich in letzter Sekunde - bevor die Griffe tatsächlich wieder feucht werden - sauber bis zum Top bringt ...
"What a process!?" ;-) 

"SNAKEBITE" könnte irgendwo bei Fb 8B+ liegen ;-) ...

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